Kategorien
Anleitung

GerHeart anziehen leicht gemacht – Eine Schritt-für-Schritt- Anleitung

In diesem Video möchte ich zeigen, wie ich mein GerHeart anziehe. Vielleicht hilft Dir diese Anleitung weiter, vielleicht entwickelst Du aber im Laufe der Zeit auch Deine eigene Technik.

Ich selbst brauche morgens nicht einmal mehr eine Minute, um mein GerHeart zu bestücken und anzuziehen.
In diesem Video zeige ich alles etwas langsamer. Zudem gibt es unten noch eine weitere kurze Anleitung darüber, welches Gerät in welche Tasche gehört und wie sie am sichersten in den Taschen untergebracht sind.
Bei allen weiteren Fragen helfen wir gerne weiter. Kontaktiere uns einfach unter info@das-lvad-hemd.de.
Und natürlich freuen wir uns auch über Anregungen, Ideen und Erfahrungsberichte.

Kategorien
Anleitung

Pflegehinweise

GerHeart ist mehr als ein schnödes Unterhemd. Er wird Dir hoffentlich ein guter Freund sein und braucht dementsprechend auch ein bisschen Zuwendung.

Pflegehinweis

Am besten geht es GerHeart, wenn du ihn nur im Schonwaschgang bei maximal 30°C wäschst.  Beim schwarzen GerHeart gilt: Verwende am besten ein Waschmittel für schwarze Kleidung, dann bleibt dein GerHeart lange schön.

Pflegehinweis

 

Den Trockner mag GerHeart gar nicht und freut sich, wenn er an der Luft trocknen darf.

Pflegehinweis

 

Bitte bügle nur die Schultergurte und die Taschen auf mittlerer Temperatur.

Pflegehinweis

Bitte bring GerHeart nicht in die chemische Reinigung und bleiche ihn nicht.

 

Wichtiger Hinweis:

Um einen größtmöglichen Tragekomfort zu ermöglichen und gleichzeitig die Peripheriegeräte sicher an Ort und Stelle zu halten, kombinieren wir im GerHeart zwei unterschiedliche Materialien.

Bei zu starker Dehnung des GerHeart kann es dazu kommen, dass sich an den Enden der Nahtstellen zwischen den verschiedenen Stoffen kleine Defekte (Löcher) bilden.

Diese haben keinen Einfluss auf die Sicherheit des GerHeart.

 

Kategorien
Blog

Einen Action-GerHeart zum Geburtstag

Heute feiern wir Geburtstag! Ohne das LVAD wäre das sicher nicht möglich, und weil wir seit Jahren über eine GerHeart Action-Figur scherzen, haben wir jetzt mal Ernst gemacht: Hier ist unser Action GerHeart! Exklusiv für nach dem Vorbild von (zu erkennen an der Brille und den vielen Muskeln 😉) und für unseren geliebten (Schwieger-) Papa. Alles Liebe zum Geburtstag!🥳

Kategorien
Blog

Mit GerHeart unterm Weihnachtsbaum

Gerade noch pünktlich zu Weihnachten konnte Remo T. in sein GerHeart schlüpfen.

Kategorien
Blog

Und erneut liegt ein Jahr ganz im Zeichen von Corona hinter uns.
Schier endlos die Tage, Wochen, Monate, in denen wir unsere Lieben nicht persönlich sehen konnten. In denen wir einander nicht in den Arm nehmen konnten, gemeinsam Freude und auch Leid teilen konnten.
Und umso größer war die Freude, als ein wenig Normalität in den Alltag, der doch zuvor schon von den gesundheitlichen Höhen und Tiefen bestimmt wurde, zurückkehrte.
So wie zuvor wird es wohl nie mehr werden. Sowohl das Kunstherz als auch Corona haben das Leben aller Patienten und ihrer Angehörigen grundlegend verändert.
Und so heißt es nun, sich mit den Umständen zu arrangieren, das Beste aus dem zu machen, was wir haben. Vor allem, uns bewusst zu machen, was wir haben. Selbst in der dunkelsten Stunde gibt es Licht. Wir müssen es nur sehen.

Die Begegnungen und Geschichten zahlreicher Patient*innen und Ihrer Angehörigen haben uns durch das ganze Jahr hindurch tief bewegt. Wir haben viel Leid, aber auch viel Freude teilen können.
Die wundervollen Rückmeldungen so vieler Menschen haben uns gezeigt, dass das, was wir tun richtig und gut ist. Es bedeutet unserer ganzen Familie unendlich viel, dass wir mit dem GerHeart nicht nur meinem Schwiegervati, sondern so vielen Menschen ein Stück mehr Lebensqualität zurückgeben können und für all die lieben Worte, Geschichten und Bilder möchten wir uns von ganzem Herzen bei Euch bedanken.

Doch natürlich möchten wir uns nicht auf dem ausruhen, was wir geschafft haben und so haben wir gemeinsam mit Patient*innen der Schüchtermann-Klinik und des Herzzentrums Dresden in diesem Jahr auch ein GerHeart entwickelt, dass speziell auf die Bedürfnisse von Kunstherz-Patient*innen mit dem HeartWare zugeschnitten ist.

Neben unendlich aufgeschlossenen und engagierten Mitarbeitenden vieler spezialisierter Kliniken, haben uns auf unserem Weg durch das Jahr auch zahlreiche Krankenkassen begleitet.
Gemeinsam konnten wir so viele Patient*innen erreichen können und auf diese Weise in die Leben vieler Patienten trotz Kunstherz, Corona und den Höhen und Tiefen des Alltags ein bisschen Normalität lassen.

Wir möchten uns auf diesem Weg von Herzen bei all den Menschen bedanken, die an uns geglaubt haben, uns unterstützten und uns mit ihren Rückmeldungen, Geschichten und guten Wünschen so viel Kraft gegeben haben.

Und so wünschen wir Euch und Euren Familien ein (im Rahmen der Möglichkeiten) wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2022!
Eure Familie Meggers

Kategorien
Blog

GerHeart: Jetzt auch als HVAD-Hemd für das HeartWare-System

Was lange währt, wird endlich gut. Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir zusammen mit Patienten des Herzzentrums Dresden und der Schüchtermann-Klinik nun auch ein GerHeart HVAD-Hemd für Patienten mit dem HeartWare von Medtronic entwickeln konnten. Wir hoffen von ganzem Herzen, dass es diesen Patienten genauso hilft, wie das GerHeart bisher Patienten mit dem HeartMate3 hilft. Und auch hier gilt: Zahlreiche Krankenkassen übernehmen die Kosten für zwei GerHearts pro Patient und Kalenderjahr! Alle Formulare für die Beantragung der Kostenübernahme gibt es hier.

Und hier geht es zu dem GerHeart für das HeartWare und zum GerHeart 2er Set für das HeartWare.

Kategorien
Blog

Mein erstes GerHeart

Ganz besonders gefreut haben wir uns über dieses Bild von Udo K. in seinem ersten GerHeart!

Kategorien
Blog

Die Konfirmationsfeier oder die Frage, ob ich denn nun kein Kunstherz mehr hätte

Vor Kurzem hatte mein Enkel Konfirmation. Um ehrlich zu sein, hatte ich ein bisschen Angst vor diesem Tag, denn es gibt ja immer gute und schlechte Tage. Was also, wenn gerade an diesem, für unseren ältesten Enkelsohn so besonderen Tag ein schlechter Tag ist? Ich sprach offen mit der Familie über meine Befürchtungen und Ihre Worte und das Wissen darum, dass alle Verständnis dafür hätten, wenn es an diesem Tag eben leider nicht geht, haben mir sehr geholfen mich zu entspannen.
Und so war es tatsächlich so, dass ich am Tag der Tage fit war und unseren Enkel bei diesem Ereignis begleiten konnte.
Ich hatte mich herausgeputzt, ein sommerliches schönes Hemd und mein Lieblingssakko angezogen.
Auf der Feier begegnete ich zahlreichen Menschen, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte und viele von wussten zwar von meinem LVAD, hatten mich aber noch nicht wieder gesehen, seit ich mein GerHeart habe. Sprich, sie erinnerten sich nur an mich mit dieser grauenhaften Tasche.
Nun stand ich so vor Ihnen in Hemd und Sakko – ja, und ohne blöde Tasche. Und schon kam die erste Frage: „Ja, hast du denn gar kein Kunstherz mehr?“. Doch, habe ich gesagt, aber ich habe mein GerHeart und damit ist es quasi unsichtbar. Insgesamt hörte ich die Frage, ob ich denn nun kein Kunstherz mehr haben würde an diesem Tag etliche Male und jedes Mal machte es mich stolz, dass ich zum einen fit genug war, um an der Feier teilnehmen zu können und alle sich sehr über meine Anwesenheit und meine Fitness gefreut haben, zum anderen war es aber auch ein wunderbares Gefühl, dass man mir das LVAD einfach nicht ansah. Ich war als ganz normaler Gast, als Opa, Vater, Ehemann, Schwiegervater, Verwandter, Bekannter, Nachbar auf dieser Feier und nicht als kranker Mann mit einem Kunstherzen….

Kategorien
Blog

Erste Schritte mit dem GerHeart

Von Manfred O.

Ich gehöre schon seit einer Weile zu den Kunstherz-Patienten und hätte unmittelbar nach dem Eingriff nicht gedacht, dass mein Heartmate3 es mir noch ermöglichen wird, meine Enkelkinder kennenzulernen. Doch glücklicherweise ist der Verlauf bisher gut gewesen und so kam es, dass ich 2020 tatsächlich Großvater wurde.
Die Freude war riesig. Aber gleichzeitig begleitete mich immer die Angst, was, wenn das Kind Laufen lernt, tobt und sich an mir festhält? Was, wenn es im Gurt der Tasche hängenbleibt? Oder schlimmer noch, direkt in der Driveline? Und so sehr ich mich über jeden Entwicklungsschritt meiner kleinen Enkelin freute, quälten mich insgeheim doch auch immer ein bisschen meine Sorgen. Ich bin für den Umstand, dass ich ein Kunstherz habe und schon Rentner bin in meinen Augen recht aktiv und möchte auch ein aktiver Opa sein. Dementsprechend machte ich mich auf die Suche nach Alternativen zu der üblichen Tasche. Im Internet fand ich dann das GerHeart und war von der Idee sofort begeistert. Ich musste gar nicht lange auf mein persönliches Hemd warten und es kam gerade rechtzeitig. Vor Kurzem machte unsere Kleine ihre ersten Schritte und ich konnte sie ganz ohne Angst dabei an den Händen halten. Es gibt keinen Gurt und keine Driveline außerhalb der Kleidung und somit auch nichts, woran die hängenbleiben kann. Wenn ich jetzt die wunderschönen kleinen Hände meiner Enkelin sehe, gibt es nur noch ein Gefühl der Freude und die Begeisterung für das Wunderwerk Leben. Die Angst ist wie weggeblasen. Vielen Dank dafür.

Kategorien
Blog

Bahnfahrt mit Schreckmoment

Von Bernd L.
„Ich habe mein LVAD schon ein paar Jahre und lebe sehr gut damit. Aufgrund meiner guten Verfassung bin ich viel unterwegs und nutze gerne die Bahn.
Draußen habe ich immer einen LVAD-Rucksack genutzt, um das Zubehör zu meinem LVAD am Mann zu tragen. Richtig praktisch war der Rucksack eigentlich nie, aber ich fand ihn immer besser als eine Umhängetasche.
Vor einiger Zeit fuhr ich mit der Bahn und hatte – wie ich es immer mache – meinen Rucksack abgenommen und neben mich gestellt.

Kleiner Moment mit großer Wirkung

Die Bahn war eigentlich gar nicht wirklich voll und trotzdem passierte folgendes: ein junger Mann blieb vor der Sitzreihe, in der ich saß stehen und schaute mich an. Plötzlich griff er unvermittelt nach meinem Rucksack und sagte „ich pack den mal oben ins Gepäckfach, der Platz ist doch sonst noch frei, oder?“.
Geistesgegenwärtig riss ich ihm den Rucksack aus der Hand und presste ihn an mich.
Obwohl es sonst gar nicht meine Art ist, aus der Haut zu fahren, schrie ich ihn an, dass der die Finger von meinem Rucksack lassen solle. Er solle sich zum Teufel scheren und nicht einfach fremder Leute Dinge anfassen.
Ich hatte mich so unglaublich erschrocken.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er den Rucksack mit Schwung in die obere Gepäckablage befördert hätte…
Zuvor habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, dass jemals jemand so an dem Rucksack zerren könnte, dass die Driveline ernsthaft in Gefahr geraten könnte.
Rückblickend tut es mir fast leid, dass ich dem jungen Mann nicht noch erklärt habe, warum ich so panisch reagiert habe. Er hat sich nämlich auch ziemlich erschrocken und suchte schnell das Weite.
Aber ich hatte einfach Angst. Das Ereignis hat mein Verhalten in der Öffentlichkeit mit dem Rucksack sehr beeinflusst und ich habe mich oft richtig unwohl gefühlt. So, als würde ich mein Herz außerhalb des Körpers tragen. Es war fürchterlich und so suchte ich nach einer anderen Art, auf die ich die Akkus und den Controller künftig bei mir tragen könnte.

Mein Weg zu GerHeart

Letztlich stieß ich auf GerHeart und war von der Idee sofort begeistert. Ich habe mir erstmal ein Hemd bestellt, um es auszuprobieren. Und schon am zweiten Tag habe ich mir noch ein paar mehr bestellt, damit ich welche zum Wechseln habe, denn ich möchte nie mehr darauf verzichten! Es ist super, alles unter der Kleidung tragen zu können. Ich fühle mich richtig wohl und habe endlich keine Angst mehr.“

Kategorien
Blog

Gute und schlechte Tage – lass Deine Lieben wissen, wie es Dir geht

Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage. Tage, an denen es einem besser geht und Tage, an denen es einem nicht so gut geht.
Vor meiner Erkrankung war ich immer sehr aktiv. Ich habe sowohl im Beruf als auch im Privatleben
Immer 100% gegeben und bin nicht selten über meine Belastungsgrenzen hinausgegangen.
Krank zu sein konnte und vor allem wollte ich mir nie erlauben.
Tja, und plötzlich hatte ich keine andere Wahl mehr. Nach meiner Operation lag ich fast 6 Monate mehr oder weniger bewegungsunfähig im Bett. Künstlich beatmet. Ohne die Möglichkeit, auch nur ein einziges Wort von mir zu geben, geschweige denn, aufzustehen.
Aber aufzugeben kam für mich nie in Frage. Und so habe ich mich ins Leben zurück gekämpft.
Und auch wenn ich zunächst unglaublich schwach war, dachte ich an jedem Tag, an dem es bergauf ging, dass ich bald wieder ganz der Alte sein würde. Tage, an denen ich keine Fortschritte machte oder an denen es vielleicht sogar schlechter ging als an anderen Tagen machten mich ärgerlich. Schließlich sollte es doch nur besser werden. Doch irgendwann begriff ich, dass ich in der schweren Zeit ein anderer geworden war. Genauso wie all die Menschen um mich herum, die mich lieben und mit mir gemeinsam durch diese schwere Zeit gegangen sind.

Ich begriff, dass es nicht darum geht, dass jeder Tag eine Steigerung gegenüber dem gestrigen Tag mit sich bringen muss, sondern dass jeder Tag mein neues, wundervolles Leben ist. Und jeder Tag so ist wie er ist. Mal ist es ein Tag, an dem es mir gut geht und mal ist es ein Tag an dem es mir nicht so gut geht. Und leider gibt es auch Tage, an denen es mir richtig schlecht geht.

Aber seien wir doch mal ehrlich: solche Tage hat jeder. Egal ob das Herz in seiner oder ihrer Brust ein künstlich ist oder nicht.

Ich habe durch mein LVAD gelernt, dass ich mir und anderen gegenüber ehrlich sein darf und sogar muss. Dass ich meine Kräfte an nicht so guten Tagen einteilen muss und vor allem, dass ich meinen Lieben sage, wie es mir geht, damit sie sich keine Sorgen machen.
Wir alle sind nicht alleine und die Menschen in unserem Umfeld haben in der Zeit, in der viel durchlitten haben, auch viel durchgemacht.
Ich habe gemerkt, dass es sowohl mir als auch anderen hilft, wenn ich ehrlich sage, dass ich an einem Tag ein wenig kürzertreten werde.

Einerseits entlastet es mich, weil ich nicht ständig das Gefühl habe, jemand würde gerade mehr von mir erwarten und andererseits hilft es meinen Lieben, weil sie mein Verhalten (zum Beispiel, dass ich weniger rede als sonst, nicht so aufmerksam bin oder mich gleich nach dem Frühstück wieder hinlege) besser einordnen können.
Ich selbst sehe das Ganze heute nicht als „Nebenwirkung“ einer Krankheit, sondern als ein gesundes, menschliches Verhalten.

Und so bin ich an jedem Tag glücklich darüber, dass das LVAD nicht nur mein Leben gerettet hat, sondern mir auch neue Einsichten ermöglichte, die letztlich gut für mich und alle meine Lieben sind.

Kategorien
Blog

4 zu Null für GerHeart: Warum ein Rucksack für mich nicht geeignet war

Nachdem ich mit der Tasche so meine Schwierigkeiten hatte, versuchten wir es mit einem Rucksack.
Aber hier musste ich feststellen, dass er für mich noch ungeeigneter war als die Tasche. Ich konnte mich nirgendwo anlehnen ohne den Rucksack vorher abnehmen zu müssen. Wann immer ich meine Jacke an- oder ausziehen wollte, musste ich jemanden finden, der den Rucksack in der Zeit hält oder einen Ort suchen, an dem ich den Rucksack abstellen konnte. Außerdem schwitzte ich fürchterlich am Rücken, wenn ich den Rucksack längere Zeit trug und verkühlte mir den nass geschwitzten Rücken, als ich den Rucksack abnahm, um mich eine Weile hinzusetzen.
Bei Kontrollterminen im Krankenhaus die dortige Toilette aufsuchen zu müssen war mit einem Rucksack ebenfalls ein Graus. Die Haken an Wand und Tür waren zu weit, um den Rucksack aufhängen zu können, mit dem Rucksack auf dem Rücken das Klo zu benutzen, war auch nicht einfach.

Und dann gab es da noch dieses eine, alles entscheidende Erlebnis am Bahnhof. Meine Frau und ich warteten gerade auf den Zug als ein kleines Mädchen mit ihrem Vater an uns vorbeiging. Plötzlich blieb sie stehen, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte: „Guck‘ mal Papa, der Mann hat so viele Kabel am Rucksack, der hat bestimmt eine Bombe dabei…“. Der Vater blickte mich entsetzt an und zog seine Tochter weiter. Ich weiß nicht, ob er von der Aussage seiner Tochter peinlich berührt war oder ob er tatsächlich Angst vor einem gewissen Wahrheitsgehalt ihrer Mutmaßungen hatte. So oder so war das der letzte Tag, an dem ich den Rucksack trug.

Kategorien
Blog

3 zu Null für GerHeart: auf dem Dach

Ich bin ein begeisterter Heimwerker und habe gemeinsam mit meiner Frau und meinen Kindern im Laufe der Jahrzehnte unser Haus von oben bis unten renoviert und umgebaut. Wir haben Fenster rausgerissen und eingebaut, ganze Wände versetzt, einen alten Ofen durch einen Kamin ersetzt und etliches mehr getan, um unser Häuschen immer noch ein Stückchen wohnlicher zu machen. Auf professionelle Hilfe haben wir dabei so weit es ging immer verzichtet. Und auch nach meiner Operation wollte ich das gerne weiterhin so halten. Mit der LVAD-Tasche oder dem LVAD-Rucksack habe ich mir aber etliche Dinge gar nicht zugetraut, weil ich immer damit rechnen musste, dass die Tasche plötzlich nach vorne oder nach hinten rutscht oder ich mit dem Rucksack irgendwo hängen bleibe.
Mit GerHeart bin ich aber in meinen Bewegungen wieder völlig frei und als ich letztens einen richtig guten Tag hatte, stieg ich tatsächlich mit der Leiter auf das Garagendach, um ein paar kleine Ausbesserungen machen. Es fühlte sich wieder fast so an wie früher und ich bin gespannt, welches Projekt ich als nächstes realisieren kann.

 

Kategorien
Blog

2 zu Null für GerHeart oder: Die LVAD-Tasche aus Blei


Wie ich in der Geschichte zu GerHeart, dem LVAD-Hemd bereits geschrieben habe, hing die Tasche für die Akkus und den Controller immer wie Blei an mir.
Bei jedem Aufstehen von einem Stuhl oder dem Sofa zog mich die Tasche nach hinten. Wollte ich mich im Haushalt nützlich machen, rutschte sie nach vorne sobald ich mich zum Beispiel runterbeugte, um das Geschirr in die Spülmaschine zu stellen. An meine geliebte Gartenarbeit oder das Ausführen kleinerer Reparaturen im und am Haus war mit dem Ding überhaupt nicht zu denken. Gerade, weil ich immer ein extrem aktiver Mann war, war diese Situation gelinde gesagt grauenhaft.
Egal, wohin ich ging, wenn ich meine Jacke an- oder ausziehen wollte, störte die Tasche. Ich musste die Jacke wegen der Kabel dann entweder offen tragen oder eine kürzere Jacke wählen oder die Tasche unter der Jacke tragen. Dann konnte ich die Jacke auch wieder nicht schließen oder musste einen riesigen alten Mantel anziehen, in dem ich dann doch recht ulkig aussah. Mehrmals blieben meine Enkelkinder im Gurt hängen oder die Tür stoppte mich schmerzhaft drastisch als der Gurt sich in der Klinke verfing. Und nicht zuletzt lösten sich immer wieder die Kappen von den Akkus und das uns allen bekannte Piepen ertönte ohne Rücksicht darauf, wo man sich gerade befand. Es ist erstaunlich, wie schnell Kunden in einem Supermarkt in Panik geraten, wenn es plötzlich neben ihnen beginnt, laut zu piepen. Aber nur für diesen einen Scherz waren mir die Nachteile der Tasche dann doch zu schwerwiegend.

Kategorien
Blog

1 zu Null für GerHeart: Kaffee und Kuchen

Nach meiner Implantation wurde ich viele Monate über ein Tracheostoma künstlich beatmet. Ich konnte dementsprechend nicht reden, nicht trinken und nicht essen. Trotzdem träumte ich insgeheim davon, irgendwann mal wieder in einem Kaffeehaus ein richtig schönes Stück Torte zu essen. Es dauerte fast 9 Monate, bis ich mich wieder so weit ins Leben zurück gekämpft hatte, dass ich diesen Traum gemeinsam mit meiner Frau verwirklichen konnte. Mit der LVAD-Tasche und dem LVAD-Rucksack konnte ich mir einen Besuch im Kaffeehaus nicht vorstellen. Ich fühlte mich damit immer wie angebunden und für mich sollte dieser Tag auch den Beginn einer wiedergewonnenen Freiheit markieren. Mit meinem GerHeart fühlte ich diese Freiheit endlich wieder und so stand dem Besuch in einem wunderschönen altmodischen Kaffeehaus und dem Genuss von einem herrlichen Stück Torte und einer schönen Tasse Kaffee nichts mehr im Wege.