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Blog Geschichten, die Mut machen Leben mit dem LVAD

Annett (64): Mein LVAD heißt Elli

Ich bin jetzt 64 und die ganze Sche… hat angefangen, da war ich 36. Da hatte ich meinen ersten Herzinfarkt und die Ärzte haben mich leider nicht gut behandelt. Ich hatte also einen Haufen Narben auf dem Herzen. Sie haben mich dann aber soweit wiederhergestellt und dann ging alles 5 Jahre gut und dann kam der nächste Herzinfarkt. In der Zwischenzeit haben sie mir auch einen Defi eingebaut. Der hat nie ausgeschlagen. Alles okay soweit. Dann war der aus, der Defi und dann musste ja ein neuer rein. Und den Defi haben sie dann auch wieder eingebastelt und der hat nur Mist gebaut: er hat ausgeschlagen, wenn er nicht ausschlagen sollte. Dann bin ich in eine Klinik gekommen, wo sie versucht haben, das Gerät wieder rauszuholen und dabei haben sie dann ein Kabel zerrissen. Das schwirrte dann tatsächlich in meinem Herzen rum. Sie haben dann nur gesagt: „Nee, nee, da wollen wir nicht ran – schicken wir sie in eine andere Klinik. “ Und die Ärzte dort haben das dann geschafft nach drei Versuchen endlich das Kabel aus dem Herzen herauszukriegen. Dann haben sie wieder einen neuen Defi eingebaut und dann ging es ein paar Jahre gut. Bis zum November 2021.

Herzflimmern und ein Puls von 160

Da hab ich auf einmal so ein Herzflattern gekriegt. Mit 160er Puls. Dann hat mein Mann gesagt „Ich bring dich jetzt in die Klinik“. Also haben sie mich in die Klinik gebracht, dort unter Narkose das Herz geschockt und dann haben sie mich wieder in die Klinik gebracht. Dort haben sie mir dann zwei Stends eingesetzt, die leider nicht reindurften, wie ich hinterher erfahren habe. Sozusagen „Pfusch am Bau“, also Ärztepfusch. Sie haben dann gesagt, dass sie mir nicht weiterhelfen können und ich bekomme dann noch aus einer anderen Klinik Post, dass ich zur Ablation kommen soll. Das war im November 2021. Am 31. Januar 2022 hat mein Mann mich in die andere Klinik gebracht und dann fing die ganze Sache an. Am 31. haben sie die erste Ablation gemacht. Die ging schief. Von da ab weiß ich nichts mehr. Ab Mitte März weiß ich dann wieder was. Meine Familie erzählte mir dann alles stückchenweise.
Und dann haben sie mich in die Reha geschickt. Dort war ich dann vier Wochen. Danach bin ich wieder nach Hause gekommen und dann war ich genau drei Wochen und drei Tage zu Hause und dann habe ich zu meinem Mann gesagt „Du kannst den Notarzt rufen, ich hab schon wieder einen so hohen Puls“. Und dann kamen sie und mein Mann hat ihnen den Brief aus der zweiten Klinik gezeigt. Dann sagten sie, dass sie mich nicht mitnehmen wollen, weil es ihnen zu gefährlich ist. Sie sagten, dass ich dann nicht mehr nach Hause kommen würde, das sei so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie haben dann die Luftrettung gerufen und ich durfte dann mit dem Hubschrauber in die zweite Klinik fliegen. Das war am 22. Mai. Am Geburtstag von unserem Enkelkind.

Elli hat am 25. Mai Geburtstag

Und am 25. Mai haben sie mir meine Elli eingebaut. Das war so im Groben mein Werdegang.
Da gab es dann auch noch so ein paar Geschichtchen wie zum Beispiel die hier: Wir waren mal gemeinsam essen und dann hatte ich meine Elli im Rucksack. Den Rucksack hatte ich dann auf einem anderen Stuhl stehen und dann quatschte mich einer an, und sagte: „Reicht das Essen wohl nicht, müssen wir einen Rucksack mitnehmen?“. Ich bin ja sonst nicht auf den Mund gefallen, aber da war ich wirklich sprachlos. Und da stand für mich fest, dass ich was Anderes brauch als die Tasche oder den Rucksack. Dann bin ich in die Selbsthilfegruppe eingestiegen und dort hat man mir dann von dem GerHeart erzählt. Und ich bin wirklich so zufrieden. Obwohl, man wird mit dem Hemdchen unvorsichtiger. Man macht manchmal doch ein bisschen viel, weil einen ja keine Tasche mehr erinnert.
Mein Alltag ist natürlich schon anders. Wir haben von einem Online-Anbieter so eine Sprachassistentin, die weckt mich in der Früh und sagt mir, dass ich die Akkus wechseln soll. Dann gehe ich also um 8.00Uhr meine Akkus wechseln und dann fängt für mich der Tag an. Meistens gehe ich dann aber nochmal für eine oder eineinhalb Stunden ins Bett, weil ich immer denke, was soll ich um 8.00Uhr schon in der Gegen rumhüpfen? Dann stehen wir langsam auf. Dann frühstücken wir und ich mache ein bisschen Hausarbeit, wenn mein Mann zu Hause ist. Wenn er nicht zu Hause ist, dann habe ich Couch-Dienst. Dann darf ich nichts machen, weil er Angst hat, dass mir irgendwas passiert. Er hat mir auch so einen Notruf-Knopf gekauft, so ein Ding bei dem man nur auf eine Taste drücken muss und sofort ein Notruf rausgeht. Und dann mache ich im Beisein von meinem Mann noch ein bisschen Mittag und abends heißt es dann um Acht Uhr wieder „Akkus wechseln“. Und wenn das Wetter schön ist, dann fahren wir mal ein Stückchen raus. Ich bin auch schon dank dem Hemdchen dreimal wieder selber Auto gefahren, ganz wohl fühle ich mich dabei noch nicht wieder, aber mit der Tasche hätte ich mich das gar nicht getraut.
Meine Enkelkinder wissen auch Bescheid. Ich habe ihnen erklärt, was das ist und warum ich das Elli genannt habe, weil der richtige Name so schwer zu verstehen ist und das ist Elli und das ist mein Beschützer. Und an die Elli darf keiner rangehen und das machen sie auch nicht. Sie sagen dann immer „Großmutti“ – sie sagen zu mir Großmutti – „wo ist denn deine Elli?“. Dann sag ich, die liegt hier. Kann ich mich dann zu Euch setzen?“ „Ja, natürlich kannst du das“. „Tu ich dann der Elli nicht weh?“ „Nein, der kannst du nicht wehtun“. Ich gehe ganz offen damit um. Und wenn sie mich fragen, wie das so ist und wie das alles aussieht, dann zeige ich es ihnen auch, so zerschnippelt, wie ich bin. Der Doktor hat mal gesagt, dass ich aussehe, wie Frankensteins Monster. Total zerschnippelt. Meine Kinder akzeptieren das alle. Aber der älteste Sohn, für den ist es schwer. Meine Tochter ist da mit reingewachsen. Alle müssen da ja erstmal reinwachsen. Wenn wir wegfahren, habe ich mir einen Zettel gemacht, auf dem steht, was ich alles mitnehmen muss, selbst, wenn wir nur zum Einkaufen fahren. Dann muss ich meinen Rucksack mit den Ersatzakkus mitnehmen, dann brauch ich meine Notruf-Uhr und mein Schildchen, dass ich immer um den Hals trage. Und dann guckt man immer: hab ich das, hab ich das, hab ich das? Und dann geht es los mir der Urlaubsplanung. Was nimmst du alles mit in den Urlaub? Wir wollen nämlich zum nächsten VAD-Treffen in Bad Rothenfelde und dann wollen wir uns in Halle ein bisschen was angucken. Einfach mal den Alltag außerhalb der eigenen vier Wände genießen und mal gucken, wie man im Hotel mit allem klarkommt. Auch, ob man da akzeptiert wird oder nicht. Den Verbandswechsel macht mein Mann und auch mit dem Duschen sind wir kreativ. Das klappt alles.