Im Februar 2023 jährte sich die Implantation meines LVAD zum vierten Mal. Wenige Wochen zuvor feierte ich mit meiner Familie meinen 75. Geburtstag. Es ist unglaublich, wie die Zeit seit der Implantation vergangen ist und wie viele schöne Momente ich seitdem erleben durfte. Leicht wurde es mir dabei aber nicht gemacht.
Wie alles begann
Alles begann im Jahr 2012 als ich mich über den Tropf-Zugang im Krankenhaus mit einem multiresistenten Keim ansteckte. Der Krankenhausaufenthalt selbst wurde eigentlich durch einen eigentlich recht harmlosen Kreislaufkollaps verursacht. Ich verlor allerdings fast meinen Arm und kämpfte viele, viele Wochen gegen den Keim. Aus der anschließenden Reha, die dem monatelangen Kampf gegen den Keim folgte, kam ich gleich wieder ins Krankenhaus, um einen Herzschrittmacher und einen Defibrillator zu bekommen. Ich erholte mich ganz gut von dem Eingriff und genoss mein Leben als Rentner. Langsam, aber stetig ging es dann aber körperlich bergab. Ich bekam Atemnot. Ernst nur unter Anstrengung, dann auch in Ruhe. Meine Füße wurden ständig dick, ich war müde und abgeschlagen. Es dauerte jedoch noch eine ganze Weile, bis nach zahlreichen hanebüchenen Fehldiagnosen die Diagnose der finalen Herzinsuffizienz gestellt wurde. Es war ein Schock, aber angesichts meines damaligen körperlichen Zustandes eigentlich irgendwie naheliegend. Die Ärzte konfrontierten uns relativ bald mit der Aussicht, dass meine einzige Chance in einem Herzunterstützungssystem in Form des LVAD bestand. Gemeinsam mit meiner Familie haben wir fieberhaft überlegt, was wir tun sollten. Wir hatten doch so wenige Informationen und alle waren sehr verunsichert. Irgendwann war aber klar, dass es eigentlich keine Alternative mehr gab und so begannen die umfangreichen Voruntersuchungen. Und dann kam der Tag der Operation. Die Operation selbst verlief laut Aussage der behandelnden Ärzte sehr gut. Trotzdem sollten die nächsten 6 Monate die schlimmsten Monate meines Lebens werden. Beatmet durch ein Tracheostoma konnte ich monatelang nicht sprechen, essen oder trinken. Ich war zunächst wochenlang vollkommen ans Bett gefesselt und die Mobilisierung ging nur langsam voran. Ich kämpfte jeden Tag, denn ich wollte wieder bei meiner Familie sein. Meine Frau war in dieser Zeit jeden Tag bei mir im Krankenhaus. An jedem Tag war sie gut 2 Stunden unterwegs, um mir Kraft zu geben, sich täglich mit den Ärzten und dem Pflegepersonal auszutauschen und sich um all das zu kümmern, um das ich mich gerade nicht kümmern konnte.
Sowohl für meine Frau, als auch für meine Kinder und Schwiegerkinder war es eine wirklich schwere Zeit, die uns letztlich aber noch viel näher zusammengebracht hat. Wir haben uns schon immer gut verstanden und ich wusste diesen Zusammenhalt bereits früher sehr zu schätzen, aber meine Familie so zu erleben, hat mir jeden Tag die Kraft gegeben, zu kämpfen.
Im Winter 2019 war ich dann endlich wieder so weit hergestellt, dass wir unser erstes Weihnachten als LVAD-Familie feiern konnten. Wir alle fanden uns langsam in dem neuen Alltag zurecht und entwickelten neue Routinen, um den Anforderungen des neuen Lebens gerecht zu werden.
Corona, Grauer Star und Chemo- Therapie: Ich hab’s überstanden
Eine ganze Weile lang war alles ganz wunderbar. Und dann kam Corona. Über lange Zeit konnten wir uns nicht mit unserer Familie treffen. Die Quarantäne und die Angst vor einer Infektion mit dem neuartigen Virus machte uns sehr zu schaffen. Und dann wurden auch noch meine Augen langsam aber stetig schlechter. Irgendwann war es dann soweit und ich erhielt die Diagnose grauer Star. Durch das LVAD und die Blutverdünner war dieser sonst so einfache Routine-Eingriff natürlich leider abermals eine aufwändige Geschichte. Aber auch das habe ich während der ganzen Corona-Krise hinter mich gebracht. Mit neuer Sehkraft ausgestattet genoss ich die Zeit mit der Familie, unseren wunderbaren Garten und den Alltag als Rentner. Aber auch diese Zeit sollte mich wieder auf eine Probe stellen und so wurde im Mai 2022 Krebs bei mir diagnostiziert. 3 komplikationsreiche Operationen und eine Chemo-Therapie musste ich über mich ergehen lassen. 3 lange Monate im Krankenhaus. Die Blumen in unserem schönen Garten konnte ich nur auf Fotos sehen. Doch auch in dieser Zeit war meine Frau jeden Tag bei mir. Trotz all der Schmerzen und der Anstrengungen fand ich auch in dieser Zeit wieder all die Kraft, die ich brauchte, um die Strapazen durchzustehen, in meiner Familie. Ihre Besuche, das gemeinsame Eis-Essen mit meiner Frau auf der Sonnenterrasse des Krankenhauses – all das gab mir die Kraft, weiterzumachen. Nach überstandener Corona-Infektion während der Chemo-Therapie konnten wir im Dezember 2022 nach 2 Jahren Corona-bedingtem Besuchsverbot endlich wieder ein Weihnachtsfest mit der ganzen Familie feiern. Meine Frau, Kinder, Schwiegerkinder und Enkel bei mir haben zu können, war das größte Geschenk.
Im Januar feierte ich dann gemeinsam mit ihnen meinen 75. Geburtstag. Eine Feier, die ohne das LVAD ganz sicher nicht möglich gewesen wäre.
